Selber mal ein Bier brauen

Bier brauen ist mein persönliches Hobby. Nie war es einfacher, als heute. Man kauft sich ein Brauset und los geht´s. Sorte auswählen, Menge festlegen und ab in die Küche. Inzwischen habe ich sogar schon meine eigenen Rezepte probiert. Trotzdem ist es kein Kinderspiel. Räumen wir mal gleich mit ein paar Mythen auf!

Zuerst musst du deine Bierbrauaktion beim Zoll anmelden. Bier enthält Alkohol. Aber die gute Nachricht ist, bis 200 Liter ist es steuerfrei 🙂

Dann hast du keine Geling-Garantie. In der Tat ist es sehr wichtig, sich an die einzelnen Schritte zu halten und unter sterilen Bedingungen zu arbeiten. Dann hast du Wartezeiten – sehr lange Wartezeiten. Also morgens Bier brauen und abends genießen klappt nicht.

Doch welche Schritte muss man denn nun einhalten? Hier mal eine kurze Übersicht:

Schritt 1: Das Einmaischen

Wasser auf 70°C erwärmen und das Malz hinzugeben, gut rühren, damit keine Klümpchen entstehen

Schritt 2: Rasten

Nach dem Einmaischen sollte die Temperatur auf 66/67 °C fallen. Sollte die Temperatur niedriger sein, dann heize etwas nach. Sollte sie wesentlich höher sein, dann führe etwas kaltes Wasser zu. Versuche so die gewünschte Temperatur genau zu treffen und halte Sie 90 Minuten. Dabei regelmäßig rühren, insbesondere wenn zum Halten der Temperatur nachgeheizt wird.

Schritt 3: Aufheizen

Wenn die Rast 90 Minuten gehalten wurde, muss die Maische auf 76 °C aufgeheizt werden. Weiterhin gut rühren und parallel den Läuterbottich vorbereiten.

Schritt 4: Läuterruhe

Die Maische muss nun aus dem Einkocher in den Läuterbottich. Achte darauf, dass der Hahn am Bottich zu ist und das Läuterblech (o.Ä.) eingelegt ist. Am besten kannst du die Maische mit einem Messbecher vorsichtig umschütten. Wenn die Maische vollständig im Läuterbottich ist, machst du 20 Minuten Pause. In dieser Zeit kannst du den Einkocher reinigen. Diese Ruhepause nennt man Läuterruhe. In dieser Phase setzt sich der Treber ab und bildet einen für das Läutern wichtigen Filter.

Schritt 5: Vorlauf

Öffne nun vorsichtig den Hahn und lasse diesen sogenannten „Vorlauf“ in deinen Messbecher laufen. Die ersten Liter werden sehr trüb sein und ggf. auch noch Malzstücke beinhalten. Schütte die aufgefangene Flüssigkeit vorsichtig immer wieder zurück in den Läuterbottich auf den Treber. Schau dir die Würze, die nach ca. 3-5 Litern aus dem Hahn läuft genau an. Mit jedem Liter sollte die Würze klarer werden.

Schritt 6: Abläutern

Am besten positionierst du Läuterbottich und Einkocher nun so, dass die Würze aus dem Läuterbottich über Schwerkraft direkt in den sauberen Einkocher fliessen kann. Ggf. ist dabei ein kurzer Silikonschlauch eine Hilfe. Falls dies rein räumlich nicht möglich ist, kannst du die aufgefangene Würze auch wieder mit dem Messbecher in den Einkocher transferieren.

Schritt 7: Nachgüsse

Achte auf deinen Treber! Wenn möglich sollte immer eine Schicht Wasser über dem Treber liegen, da er sonst anfängt sich zusammen zu ziehen. Dafür gibst du Nachgüsse mit 76-78 °C warmen Wasser langsam und vorsichtig auf den Treber. Am besten nutzt du dafür wieder einen Sieblöffel, so dass die Flüssigkeit nicht direkt auf den Treber prasselt und ihn so unnötig aufwühlt. Trage die Nachgüsse so lange auf, bis dein Einkocher fast voll ist.

Schritt 8: Würzekochen

Fülle den Einkocher nicht komplett mit Würze! Am besten lässt du ca. 5-6 Zentimeter Rand. Der Einkocher sollte nun sicher und stabil stehen. Je nach Räumlichkeit sollte ein Fenster oder eine Dunstabzugshaube in der Nähe sein, denn das Kochen führt doch zu einer Geruchsentwicklung. Schalte den Einkocher auf die höchste Stufe. Bis die Würze richtig kocht, wird es einige Zeit dauern. In dieser Phase sollte der Einkocher nicht unbeaufsichtigt sein!

Schritt 9: Erste Messung

Fülle ein schmales hohes Glas (oder einen Spindelzylinder), das hoch genug ist für deine Spindel mit Würze aus dem Einkocher, damit du eine erste Messung der Stammwürze durchführen kann. Die Würze sollte dafür Zimmertemperatur haben und ist daher direkt aus dem Einkocher zu warm. Indem du das Glas in einen Topf mit kaltem Wasser stellst, kannst du die Würze abkühlen. Im Anschluss kannst du die Würze mit deiner Spindel messen. Die Spindel sollte dir bestenfalls einen Wert zwischen 10° und 12° Plato anzeigen. Notiere den Wert in der Messtabelle (Download). Nach dem Messen kannst du die Würze wieder in den Einkocher schütten, da weiter gekocht wird und so keine Infektion erfolgen kann.

Schritt 10: Erste Hopfengabe

Für die erste Hopfengabe muss die Würze wallend Kochen, wie ein Kochtopf, bevor du Nudeln hinein gibst. Mit einer Küchenwaage wiegst du nun die genaue Menge deines Aromahopfens ab. Die notwendige Menge für die erste Gabe erfährst du über die Hopfentabelle (Download). Gib den Hopfen vorsichtig und am besten nicht in einem Wurf in die kochende Würze. Bei einer zu schnellen Gabe, kann die Würze leicht überkochen. Von nun an muss die Würze bis zur zweiten Hopfengabe 90 Minuten weiter wallend kochen. Der Deckel sollte während des Hopfenkochens nicht auf dem Einkocher liegen.

Schritt 11: Zweite Hopfengabe

Nachdem die Würze 90 Minuten gekocht hat, erfolgt die zweite Gabe mit Aromahopfen. Die notwendige Menge für die zweite Gabe deiner Hopfensorte kannst du wieder in der Hopfentabelle (Download) ablesen. Im Anschluss gibst du den Hopfen wieder vorsichtig in die kochende Würze. Diese zweite Hopfengabe wird für das Aroma deines Bieres sorgen. Kurz nach der Hopfengabe schaltest du den Einkocher vollständig aus und trennst ggf. auch das Kabel von der Steckdose.

Schritt 12: Whirlpool

Wenn sich die thermische Bewegung der Würze gelegt hat, nimmst du einen großen Kochlöffel oder einen ähnlichen Gegenstand zur Hand. Durch gleichmässiges und vorsichtiges Rühren in eine Richtung erzeugst du im Einkocher ein Art Strudel, den „Whirlpool“. Die Würze sollte vollständig in Bewegung sein und sich quasi im Kreis drehen. Ähnlich der Läuterruhe legst du nun eine Pause von 20 Minuten ein und lässt den Whirlpool mit geschlossenem Deckel in Ruhe seine Runden drehen.

Schritt 13: Messung der Stammwürze

Bevor du die Würze aus dem Einkocher in den Gäreimer laufen lässt, befüllst du dein Messglas für die Spindel wieder vollständig mit Würze. Stell das Glas einfach zum Abkühlen zur Seite. Die Messung kannst du später durchführen, nachdem dein Bier im Gärfass ist. Die entnommene Flüssigkeit solltest du nach der Messung nicht wieder in deinen Sud zurück führen.

Schritt 14: Hopfenseihen

Sauberes und reinliches Arbeiten ist von nun an Pflicht! Außerdem sollten alle Gegenstände abgekocht sein, die mit der Würze irgendwie in Kontakt kommen! Dazu zählen auch das Sieb und das Küchentuch. Positioniere den Gäreimer so, dass die heisse Würze aus dem Hahn des Einkochers in den Gäreimer laufen kann. Ggf. kann dazu erneut ein abgekochter Silikonschlauch sehr hilfreich sein. Auf dem Gäreimer positionierst du das Sieb mit dem Küchentuch. Das Küchentuch soll Rückstände des Hopfen und Eiweiß auffangen, damit es nicht den Weg ins Gärfass findet. Öffne langsam und vorsichtig den Hahn und lass die heisse Würze vollständig durch das abgekochte Küchentuch in den Gäreimer fliessen.

Schritt 15: Abkühlen

Verschliesse deinen Gäreimer mit dem Deckel, wenn die Würze vollständig im Gäreimer ist. Es sollten sich zwischen 18 und 22 Liter in deinem Gäreimer befinden. Wenn es wesentlich weniger  ist, ist deine Stammwürze wahrscheinlich höher, als die Zielstammwürze von 12-14 Plato. Du kannst die Würze mit abgekochtem Wasser und mehrmaligem Messen auf den Zielwert verdünnen.

Positioniere den Gäreimer an einem ruhigen, sauberen und dunklen Ort, der nach Möglichkeit eine konstante Temperatur von 19 bis 21 °C hat. An diesem Ort muss die Würze bis zur Hefegabe abkühlen. Am besten lässt du deinen Sud über Nacht bis zum nächsten Tag einfach stehen. Ebenso kannst du den Gäreimer in kaltem Wasser runterkühlen.

Schritt 16: Hefegabe

Öffne nun vorsichtig den Deckel deines Gäreimers und prüfe mit einem gereinigten und sauberen Thermometer die Temperatur der Würze. Die Temperatur sollte unterhalb von 25 °C liegen. Ansonsten muss die Würze noch weiter abkühlen. Erst wenn die Temperatur unter 25 Grad – idealweiser bei 18 bis 21 °C – liegt öffnest du vorsichtig und mit absolut sauberen Händen das Päckchen Hefe. Streue die Hefe vorsichtig und gleichmässig auf die Würze. Verteile die Hefe dabei über die Oberfläche, so dass keine Klümpchen entstehen können.

Hinweis: Es ist unbedingt erforderlich, dass du bei der Hefegabe die Worte „Gott gebe Glück und Segen drein“ sprichst. Ansonsten wird dein Bier nichts werden

Schritt 17: Aufziehen

Die Hefe muss nun an der Oberfläche der Würze 30 Minuten rehydrieren. In der Zwischenzeit kannst du eine Küchenkelle gründlich abkochen. Mit dieser Kelle ziehst du die Würze im Anschluss mehrmals auf. Dazu tauchst du mit der Kelle in die Würze und ziehst die Flüssigkeit vorsichtig nach oben, so dass die Flüssigkeit in Kontakt mit der Luft kommt. Diese Zufuhr von Sauerstoff bringt deine Gärung gut ans Laufen. Verschliesse den Gäreimer wieder und positioniere das Gärröhrchen darauf, falls dein Eimer so etwas hat. Ansonsten legst du den Deckel nur leicht auf.

Schritt 18: Gärstart

Sei nicht ungeduldig und schau nicht alle paar Stunden in den Gäreimer! Ein erster Blick nach 24 Stunden ist ausreichend. Wenn sich noch nichts getan hat, dann bleib ruhig und warte weitere 24 Stunden. Kontrolliere ggf. die Temperatur der Umgebung. Dein Gäreimer sollte im Idealfall im Bereich von 18 bis 21 °C stehen. Wenn es 1-2 °C mehr oder weniger sind, ist es auch nicht dramatisch.

Schritt 19: Kontrolle der Gärung

Schau von nun an maximal eimal am Tag in den Gäreimer. Es schadet auch nichts, wenn du nur alle zwei Tage die Gärung kontrollierst. Am Anfang wird sich nur ein leichter „Schaumschleier“ auf dem Bier bilden. Dieser Schaumschleier steigt innerhalb einiger Tage zu sogenannten Hochkräusen auf. Richtig dicker hoher Schaum auf dem Bier ist daher normal. Ebenso schnell wie die Hochkräusen sich gebildet haben, werden Sie auch wieder verschwinden.

Schritt 20: Messung des Restextrakts

Jede Gärung verläuft anders und einen genauen Marschplan für die Gärung gibt es nicht. Es ist allerdings vollkommen ausreichend, wenn du 4-5 Tage nach der Hefegabe zum ersten Mal eine Messung durchführst. Nutze dafür wieder dein Glas oder einen Spindelzylinder und die Spindel. Wichtig ist, dass du alles abkochst und reinigst, was mit dem Jungbier im Gäreimer in Berührung kommt. Lass die Probe etwas stehen, damit das CO2 entweichen kann, das sich bereits im Bier gebildet hat.

Schritt 21: Gärende

Das Ziel ist es, dass dein Bier vollständig ausgärt! Das kann nach der Hefegabe in 3 Tagen der Fall sein, oder erst in 12 Tagen. Deshalb ist es wichtig, dass du alle paar Tage eine kurze Messung mit der Spindel durchführst. Verändert sich der Wert aber zwischen 2 Messungen und 2-3 Tagen nicht mehr. Dann ist die Gärung abgeschlossen und du kannst dich mit dem Abfüllen beschäftigen.

Schritt 22: Umschlauchen

Pro Liter Jungbier in deinem Gäreimer löst du nun 8 Gramm Traubenzucker in einem Gefäss mit etwas kochendem Wasser auf. Positioniere deinen Gäreimer vorsichtig und sanft, so dass das Jungbier über den Hahn – bestenfalls mit Silikonschlauch – wieder in deinen Einkocher laufen kann. Bevor du das Jungbier in den Einkocher laufen lässt, legst du die Traubenzuckerlösung in den Einkocher vor. Erst dann lässt du das Jungbier auf die Zuckerlösung in den Einkocher laufen. Achte am Ende darauf, dass nicht zu viel Hefe den Weg aus dem Gäreimer in den Einkocher findet. Wenn das Jungbier komplett im Einkocher ist, kannst du mit einem abgekochten Kochlöffel ganz leicht die Flüssigkeit durchrühren.

Schritt 23: Abfüllen

Über den Hahn des Einkochers kannst du das Jungbier nun in deine Flaschen abfüllen. Die Flaschen müssen absolut sauber sein. Ebenso solltest du bei Bügelflaschen die Gummis abkochen. Spüle alle Flaschen vor dem Abfüllen gründlich mit heissem Wasser aus. Achte beim Abfüllen auf einen gleichmässigen Füllstand und nicht zu viel Freiraum im Flaschenhals. Arbeite sauber und sorgfältig und verschliesse die Flaschen gründlich mit dem Bügel.

Schritt 24: Nachgärung

Wenn dein Bier in den Flaschen ist, steht die Nachgärung an. Die Hefe in deinem Bier wird den Traubenzucker vergären und das nötige CO2 in der Flasche entsteht. Ebenso entsteht noch etwas Alkohol (ca. 0,5%). Stelle dein Bier (ggf. in Kisten) an einen ruhigen, dunklen Ort, der wie bei der Hauptgärung ca. 18 bis 21 °C hat. Es bietet sich an, die Flaschen zur Nachgärung an dem gleichen Ort abzustellen, wie bei der Hauptgärung. Unter diesen räumlichen Bedingungen lässt du dein Bier 10 Tage stehen.

Schritt 25: Reifung

Nach 10 Tagen Nachgärung bei Zimmertemperatur ist dein Bier an sich schon fertig. Es sollte nun aber – bestmöglich – noch einige Zeit bei 2-3 °C reifen. Dazu eignet sich natürlich am besten ein Kühlschrank. Lass deine Flaschen min. 2 Wochen aufrecht stehend im Kühlschrank reifen. Klar bist du sehr neugierig und es ist in Ordnung schön früher eine erste Flasche zu Testen, aber das Reifen tut deinem Bier gut und das Ergebnis wird auch besser. Nach der Reifung im Kühlschrank ist dein Bier wirklich fertig!

Na, hast du immer noch Lust auf das Bierbrauen? Ich ja, denn es macht Spaß und es ist ein großartiges Gefühl, sein eigenes Bier trinken zu können. Probiere es einfach mal aus.

Quelle: https://brauanleitung.com/brauanleitung/schritt-25-reifung/

LG Vicki

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.